Libretto 

Der im Schäfer verborgene König
(il re pastore)

Pietro Metastasio

Übersetzung auf deutsch: Dresden, 1755

(unbekannt)

Zweite Handlung

 

Erster Auftritt

Ein grosses und prächtiges Zelt vom König Alexander auf der einen, und verwilderte Überbleibsel von alten Gebäuden auf der andern Seite. Von weiten siehet man das Griechische Lager, und an verschiednen Orten Wachen aus demselben.

 

Tamiris in furchtsamer Stellung, Elisa, welche sie bei der Hand führet.

 

Elisa

Komm. Was verziehest du?

 

Tamiris

Ach, Freundin, ach ich zittre vom Haupt bis auf den Fuss. Kehr wiederum mit mir, wofern du mich noch liebst, nach deiner Wohnung zu.

 

Elisa

Ich sehe dich nicht ein. Du eilst von Ungeduld erst dem Agenor nach: und jetzt verlangst du nicht, da du ihm nahe bist, ihn nur einmal zu sehen!

 

Tamiris

Von weiten hat der Liebe Macht mir die Gefahr verheelt: Jetzt da ich nahe bin, seh ich erst ein, wie sehr verwegen ich gewesen.

 

Elisa

Wie so?

 

Tamiris

Bin ich vielleicht denn Stratons Tochter nicht?

 

Elisa

Und was folgt nun hieraus?

 

Tamiris

Gehören diese Zelter denn nicht den Griechen zu? Und wenn von ihnen nun mich einer nur entdeckt? Ach, um des Himmels Willen, Elisa, laßt uns fliehn.

 

Elisa

Sei nur so töricht nicht. Wen meinst du, dass er dich in diesen Kleidern kennt? Und wenn du allenfalls nun ja erkennet würdst, was würde denn geschehen? Ist Alexander ein Barbar? Kann man noch keine Proben sehen, dass er die Tugend übt? Weißt du nicht auf was Art des Königes von Persien Gemahlin und auch Mutter von ihm…

 

Tamiri

Ich weiß es wohl: Allein mein Unglück kann sehr leichte grösser noch als seine Tugend sein: Drum wag´ich nicht sie zu probieren. Laßt uns gehn. 

 

Elisa

Verzeih mir diesesmal: Geh du allein zurück. Ich fürchte mich vor nichts, und suche den Amynt. (Sie geht auf das Zelt zu)

 

Tamiris

Verziehe noch. Dein Muth macht mir ein frisches Herz. (entschlossen)

 

Elisa

So komm, und folge mir. (sie geht weiter, wie oben)

 

Tamiris

Ach Himmel! Die Gefahr stellt meinen Augen sich auf tausend Arten dar. (sie tut einige Schitte, und bleibt wieder stehen) Nein, nein, ich traue nicht.

 

Elisa

So lasse mich alleine gehen. (sie lässt sie von der Hand los)

 

Tamiris

Hör doch vor, was Tamiris spricht

 

Sag meinem Schatz: du hättst vernommen

Ich bleibe stets.. ich sei gekommen..

Du kennest ja mein ganzes Herze

Sprich nur so, wie dasselbe spricht.

 

Was hab´ich weiter vorzutragen?

Was soll ich dir noch mehrers sagen?

Du stehest ja, was mir begegnet, 

und kennest auch der Liebe Pflicht. 

        (geht ab)

 

 

Andrer Auftritt

Elisa, hernach Agenor

 

Elisa

Dies ist vom griechischen Lager das allergrößte Zelt. Hierinnen wird Amynt gewiß zu treffen sein.

 

Agenor

Wo gehst du artge Schäferin denn in so grosser Eile hin? (er hält sie auf)

 

Elisa

Ich will zu König gehen. (sie will weiter gehen)

 

Agenor

Verzeih: (er hält sie zurück) Du kannst anjetzt nicht vor ihn kommen.

 

 

Elisa

Aus was für Ursach denn?

 

Agenor

Er hält anjetzt mit seinen Griechen Rath.

 

Elisa

Mit seinen Griechen?

 

Agenor

Ja

 

Elisa

So kann ich immer gehn (sie will weiter gehen). Dies ist mein König nicht.

 

Agenor

Halt. Es ist dir auch nicht erlaubt (er hält sie zurück) zu deinem Könige zu gehen.

 

Elisa

Warum?

 

Agenor

Weil er anjetzt auf Alexandern warten muss.

 

Elisa

Dies kann er immer tun. Ich wünsch ihn so allein zu sehn. (wie oben)

 

Agenor

Nein: es steht dir nicht frei noch näher hin zun gehn.

 

Elisa

So sag ihm denn: ich sei allhier, und bäthe ihn zu mir zu kommen.

 

Agenor

Und dies ist wiederum ihm nicht erlaubt.

 

Elisa

So wird es wenigstens doch wohl erlaubet sein, dass ich ihn hier erwarten könne (sie setzen sich auf einen Stein)

 

Agenor

Elisa glaube mir, geh jetzo nur von hier, und stör uns lieber nicht. Ich will in kurzer Zeit mit deinem König zu dir kommen.

 

Elisa

Nein, nein, darauf kann ich nicht traun. Du denkest an Tamiris nicht, und wolltest doch an mich gedenken?

 

Agenor

Du irrest dich. Weil ich jetzt eben gegen Alexandern von ihr gedenken will. Ich hatt´es auch schon angefangen, allein ich ward gestört. Geh nur, denn wenn er kommt so könnte ich durch dich an der bequemen Stunde gar leicht gehindert sein.

 

 

Elisa

Ach dieses will ich tun (sie steht auf). Doch so viel sag ich dir. Wofern du lange bleibst, so bin ich wieder hier.

 

Agenor

Dies ist die Billigkeit.

 

Elisa

Leb wohl. Indessen (im Fortgehen, sie wendet sich aber wieder um) verheele nur nicht dem Amynt, wie Angst mir seinetwegen sei.

 

Agenor

Nein

 

Elisa

Sag ihm, (wie oben) dass ich mir die seinige weiß vorzustellen.

 

Agenor

Ja

 

Elisa

Was wird dieser arme nicht von mir entfernt erdulden müssen. (zum Agenor, aber von weiten)

 

Agenor

Viel

 

Elisa

Spricht er denn von mir? (von weiten)

 

Agenor

Stets.

 

Elisa

Und was sagt er denn? (sie kommt wieder zum Agenor zurück)

 

Agenor

Allein, du gehst ja nicht. Wenn ich dir alle Klagen (mit Heftigkeit) erzählte, wenn ich dir gleich alle seine Pein… 

 

Elisa

Ich geh: besänftge dich. Dies heißt doch grausam sein!

 

Barbar, ich bin, wie dir bekennt

Von meinem einzgen Gut getrennt:

Barbar, und du willst nicht erlauben 

Nur Nachricht von ihm einzuziehn.

 

Macht eine so vollkommne Liebe

Die denn zum Mitleid keine Triebe?

Du hast ja auch ein Herz im Leibe

Soll alle Regung von ihm fliehn?

     (geht ab)

 

 

Dritter Auftritt

Agenor, Amynt

 

Agenor

Ach gnädgen Götter gebt, daß Alexanders Herz wenn ich jetzt mit ihm reden werde, Tamiris günstig sein. Die Schönheit und die Tugend von ihr verdient es wohl… Wo aber eilet denn mein König jetzo hin?

 

Amynt

Ich habe ja Elisen, meine Schöne, von weiten hier gesehn: warum verbirgt sie sich? Wo ist dieselbe denn?

 

Agenor

Sie ist schon wieder fort.

 

Amynt

Und ohne mich zu sehn! Ist sie so undankbar! Ach ich will schleunigst gehn, dass ich sie wiederfinde (er will fortgehen)

 

Agenor

Verzeihe doch nur, Herr (er hält ihn zurück).

 

Amynt

Warum?

 

Agenor

Es geht nicht an.

 

Amynt

Es geht nichts an! Wer gibt denn meinem Könige Gesetze?

 

Agenor

Die eigne Grösse selbst, denn die Gerechtigkeit, der Wohlstand, anderer Heil, Vernunft und Schuldigkeit.

 

Amynt

So bin ich als ein Schäfer nicht so ein Knecht gewest. Was hilft mir denn das Reich?

 

Agenor

Wenn dir das Reich nichts hilft, so ist die Reih an dir, dass du ihm helfen sollst. Der Himmel schenket dich dem Reich, das Reicht nicht dir. Dein herrliches Gemüth, dein so erhabner Geist, dein königliches Herz, Womit er dich so reich beschenkt, die sollen die geliebten Ältern vom allgemeinen Besten werden: dargegen steckt darin allein von deinem eigenen der Grund. Kannst du dich nun nicht selbst regieren, wie stehst du andern vor? Wie… Doch ich überlege nicht, dass du mein König seist, und ich als Unterthan muss leben, mein Eifer hatte mich verführt: Ist wohl mein Fehler zu vergeben? (er will niederknien)

 

Amynt

Was thust du! Stehe auf. Ach wenn du mich noch liebst (er hebt ihn auf), so sprich stets so mit mir. Die Wahrheit machet mich durch ihre Schönheit so verliebet, dass sie mich auch entzückt, wenn sie Verweise giebet.

 

Agenor

Das Schicksal hat dich in der That recht zum regieren aussersehn.

Amynt

Allein sag mir mein Freund: Soll man das, was uns liebt, dann nicht auch wieder lieben? Verdient Elisa keine Neigung? Soll ich als König die verschmähn, die mich als Schäfer wählt? Soll mein Erbarmen denn durch ihre Furcht, und Bangigkeit nicht aufgemuntert sehn? Kann von den Menschen wohl, ja von den Göttern selbst, im Himmel, und auch Erden meine Trieb zur Zärtlichkeit von sie getadelt werden?

 

Agenor

Nein, dies wird nicht geschehn. Der Trieb ist zu gerecht. Allein vors erste muss…

 

Amynt

Vors erste gehen wir, mein Freund, und tröften sie, hernach…

Agenor

Verziehe doch. Der Rath hat aufgehört: Die Feldherrn gehn schon fort: Und Alexander kommt jetzt grade auf uns zu.

 

Amynt

Wo ist er?

 

Agenor

Kannst du nicht erkennen daß dieses seine Leute sind?

 

Amynt

Daher…

 

Agenor

Mußst du verziehn.

 

Amynt

Elisa, armes Kind.

 

Agenor

Denk daß dir jetzo Ruhm, und Ehre

Sonst keine Leidenschaft gehöre.

Laß blos anjetzt den König sprechen, 

Und den Verliebten stille sehn

 

Du wirst den Hirtenstab stets führen,

Wenn dir zum löblichen regieren

Die nöthigen Verdienst´ und Kräfte

Ein schön Gesichte soll verleihn.

 

 

Vierter Auftritt

Alexander, und die Vorigen

 

Alexander

Agenor? (zum Agenor, welcher fortgehen will)

 

Agenor

Herr.

 

Alexander

Verzieh, weil ich was nöthiges noch mit dir sprechen muß. Wie kommt es aber denn (Agenor bleibt stehn) daß noch Sidoniens sein König unverändert (zum Amynt) mit seinem Schäfer Staat wie vor umgeben ist?

 

Amynt

Weil er demjenigen noch nicht die Hand geküßt, dem er mit Freuden will Pfand und Versicherung geben, mit grösster Ehrfurcht stets zu seinem Dienst zu leben. Daher erlaube erst, dass ich zu dessen Füssen, der mein Wohltäter ist… (er will niederknien)

 

Alexander

Nein, komme nur vielmehr in deines Freundes Arm: und laß mich lauter Liebe an statt der Ehrfurcht sehn. Ich setze bloss die Schlüsse des Himmels in das Werk: Du sollst mir vor die Lust die ich in selbigen Vollziehung stets empfinde, sonst vor nichts dankbar sehn. Denn ich zu meinem Lohn verlange nichts, als deinen Ruhm.

 

Amynt

Und was für einen Ruhm erwerb´ich in der Welt; ich der ich nichts gelernt als auf was Art und Weise man soll einer Heerde Schafe führen?

 

Alexander

Bleib jederzeit ein guter Hirt, so wirst du auch recht gut regieren. Lieb deine neue Heerde nur, wie du der alten thast, so wirst du auch, wie von der alten, der neuen Liebling sein. Warst du nicht bis anher mit grösstem Fleiß bedacht, dass schattenreichste Feld, das beste Gras, das reinste Wasser vor jene auszusehn? Nun gieb reicht fleißig Acht, dass du Bequemlichkeit und Ruh vor diese Schaffen kannst. Scheint es dir entwann neu vor deine so geliebte Heerde bei Tage wie den Nacht in vollem Schweiß zu sehn: und von der wilden Tiere Wut mit äusserster Gefahr dieselbe zu befrein? Weißt du vielleicht noch nicht, wie du die wiederspenstigen Schafe mehr mit der Stimme an dich locken, als mit der Strafe schrecken kannst? Ach bring das schöne Herz Amyntens auf den Thron: Du wirst der Götter Freundschaft da so sehr als in den Wäldern spüren: Bleib jederzeit ein guter Hirt, so wirst du auch recht gut regieren.

 

Amynt

Ja, aber jetzo komm´ich in ein stürmisches und unbekanntes Meer. Wenn du nun von mir gehst, wer wird mein Leistern sehn? Und wer ertheilet mir nun einen guten Rath?

 

Alexander

Auch dieser Zweifel selbst zeigt, dass du wirst gewiß ein grosser König sein. Du siehst schon von dem Meer dass du nun überschifft (o wie erfreut es mich) die schlimsten Klippen ein. Oft gäbe einer gern dawieder einen Rath, und ist dazu zu schwach: Ein stärkrer thut es nicht. Vor unsern Augen zwar rühmt leicht ein jeder sich, der Tapferkeit, der Tugend, des Eifers und der Treu: Doch eines jeden Herz ist nicht wie sein Gesicht. Wen unter allen nun man wählen soll, und will ist große Wissenschaft und wohl die einzige die einem König eigen. Er kann durch fremde Hand die Grössten Sachen thun, die Krieg und Recht begehrt: allein die finstern Winkel der Herzen einzusehn, so dass der Wahrheit Macht in vollem Glanz erscheint, wenn sie die Lüge unterdrücket, dies ist das grosse Werk das sich nur bloss für einen König schicket.

 

Amynt

Allein woher hofft denn ein armer Schäfer nun dergleichen großes Licht?

 

Alexander

Vom Himmel, welcher stets die Könige erleucht, die er dazu erwählt. Laß aus dem Herzen nur der Leidenschaften Dunst zu keiner Zeit entstehn, dass du kannst helle sehn; so wird dich nichts verführen. Bleib jederzeit ein guter Hirt, so wirst du auch recht gut regieren.

 

Amynt

Dies Reden macht mir so viel Muth…

 

Alexander

Nunmehro geh´ und leg die schlechte Kleidung ab: Nimm andere davor: und komm alsdenn zurück. Es ist die höchste Zeit der Unterthanen Treu dich öffentlich zu zeigen. 

 

Amynt

Ach Götter gebet doch, dass sich Amynt zwar bis zum Purpur schwinge, doch sich selbst, dem der ihn beschenkt, und dem Geschenkte Ehre bringe.

 

Gebt, Götter, dass der kleine Baum, 

durch euch zu bessrem Ansehn steige, 

Und seinem würdgen Gärtner zeige,

Dass dessen Hoffnung gründlich sei.

 

Gebt, dass er auf der neuen Höh

Ein stetig dankbar Angedenken

Dem alten Walde möge schenken,

Und bleibe seinem Wärter treu.

    (gehet ab)

 

 

Fünfter Auftritt

Alexander, Agenor

 

Agenor

(Anjetzo ist es Zeit, dass ich zu der Tamiris besten spreche)

 

Alexander

Mein Ruhm, Agenor, giebt nicht zu, dass ich in langer Ruh mich hier verweilen kann. Ich mache Sidon heut mit seinem König ein Geschenk: und morgen mit dem Tage soll schon mein Aufbruch sehn. Allein ich geh´, ich wills gestehn, nicht ganz zufrieden weg. Ich habe euer Joch zerbrochen, es ist wahr: Der Scepter ist aufs neu durch mich beim rechten Stamm: ich lasse einen guten König dem Reiche im Amt: dem König in Agenor auch einen wahren Freund: Vielleicht blieb unter euch auf lange Zeit mein Angedenken in vollem Seegen stehn: Tamiris nur, o Himmel! Nur die verdunkelt es. Was wird man an dem Ort von Alexandern sagen, wo sie vertrieben irrt? Dass er ein Bösewicht, Barbar, und Tiger sei.

 

Agenor

Man kann ihr wohl verzeihn, dass sie aus Furcht als Tochter des Tyrannen…

 

Alexander

Darinn hat sie gefehlt: Was machte ihr denn Furcht? Straft Alexander Lasterthat, so wird die Tugend auch von ihm davor verehret.

 

Agenor

Vor dir hat aber Asien von Alexandern nichts gehöret.

 

Alexander

Wie schwächt sie meinen Ruhm! Ich liesse jedermann beglückt, und froh zurück: Ach aber sie allein muss meiner Tapferkeit ein solcher Schandfleck sein.

 

Agenor

(Agenor, fasse Muth!)

 

Alexander

Ich hätte aller Welt gezeigt, dass ich unschuldige nicht mit den schuldigen vermenge, wär nur Tamiris nicht geflohn.

 

Agenor

Beklage dich nur nicht: du hast noch das Vermögen.

 

Alexander

Auf was für eine Art?

 

Agenor

Sie ist ja noch zugegen.

 

Alexander

Wer?

 

Agenor

Die Tamiris.

 

Alexander

Wie? Und du verschweigst es mir?

 

Agenor

Ich habe es kaum gewusst, so kam ich auch zu dir: und jetzo wollt ich gleich…

 

Alexander

Lauf, eile was du kannst, und führ sie zu mir her.

 

Agenor

Ich geh, und komme gleich zurück. (im Fortgehen)

 

Alexander

Verzieh: (er bedenket sich)

(entschlossen, und vor sich) (O ja. So ein schön Bündniß hat die Liebe nie gemacht.)

Nun werd ich recht vergnügt von Sidon können gehn. Eil zur Tamiris, sag, dass ich die Krone heut dem neuen König gebe, und sie durch ihre Hand zur Königin erhebe.

 

Agenor

Durch ihre Hand!

 

Alexander

Nicht anders. So weiß ich, dass ich mit einer Krone zwei schöner Seelen Werth zu gleicher Zeit belohne. Denn er kommt auf den Thron, und sie steigt nicht herab: So geb ich euch den Frieden, und meinem Rahmen seinen Ruhm, und jedem wird sein Theil beschieden.

 

Agenor

(O Himmel!)

 

Alexander

Du wirst blaß! Und schweigst!

Verdammst du meinen Rath? Tamiris ist doch wohl…

 

Agenor

Des Thrones mehr, als allzuwürdig.

 

Alexander

Und der Gedanken…

 

Agenor

Ist vollkommen deiner werth.

 

Alexander

Welche eine Leidenschaft soll dein Verblassen denn, und Schweigen nun bedeuten? 

 

Agenor

Dass Freud´, und Ehrfurcht, und Erstaunen in mir streiten.

 

Alexander

Wenn ich durch Siegen euch beglücke, 

Und lasse keine Feind zurücke;

Wer kann vergnügter sein als ich!

 

Kein schönrer Lohn vor alles Schwitzen

Und alle Müh erwartet mich.

 

 

Sechter Auftritt

 

Agenor allein

O unerwarteter, o allzuherber Streich! Ihr überschreitet ja, auch mich erzürnte Götter, mein Wünschen allzusehr. So viel hab´ich von euch ja niemahls noch verlangt. Ich ärmster, ich verliere Tamiris, und bin noch dazu an dem Verluste Schuld. Wie thöricht war ich nicht! Konnt ich vorher nicht sehn… Wie! Unglückseeliger Agenor, reuet dich schon eine große That? Und gleichwohl prahlest du, dass du viel Tugend hast? Und schreibst den Königen so gar noch Lehren vor? O! Gehe in dich selbst: und laß den Göttern Dank… Wie aber? Kannst du wohl dein liebstes auf der Welt in andern Armen sehn, und nicht des Todes sehn? Nein: aber schicket sich die Ausflucht wohl vor dich? Schätz Ehre mehr als Leben; Und gilt dein Liebstes mehr als Wohllust, so erwirb Tamiris einen Thron; setze sie darauf, und stirb.

 

 

 

Siebenter Auftritt

Amynt in königlicher Kleidung, und der Vorige.

 

Amynt

Hier bin ich wiederum: mein altes liebes Kleid ist nunmehr abgelegt. Wer weiß ob ich jetzt noch in diesen glänzenden und schweren Hindernissen Elisen kenntlich bin. Könnt ich mich wenigstens derselben lassen sehn.

 

Agenor

Ach, Herr, es ist anjetzt zu andern Sorgen Zeit. Jetzt, da du König bist, so mußt du deinen Sinn auf neue Sachen lenken.

 

Amynt 

Wie! Und was soll ich thun?

 

Agenor

Nicht an Elisen mehr gedenken.

 

Amynt

Nicht an Elisen! Wer befiehlts?

 

Agenor

Ein unumstösslicher Bescheid, der thun kann, was er will und sucht die Billigkeit, das Wohl des Reichs befiehlt es dir, die Ehre eines Throns…

 

Amynt

Ach eher mag der Thron der Welt zu Grund und Trümmern gehn. Elisa war, und ist bloss meines Sinnes Zweck: und wem ich jederzeit, so lang ich lebend bin, will die Gedanken schenken, das wird Elisa sein. Nicht an Elisen mehr gedenken! Weißt du denn aber auch, wie sie mein Herz verehrt? Weißt du was sie für mich gethan: weißt du auch was für Art…

 

Agenor

Ach, Herr, besänftige doch diese Ungeduld.

 

Amynt 

Nicht an Elisen mehr gedenken! Versucht´ichs nur einmal, würd´ich des Todes sein.

 

Agenor

Ach du betrügest dich. Dir ist nicht unbekannt, wie weit von deiner Tugend die grossen Kräfte gehn. Hör mich nur an: hernach…

 

Amynt

Was wird es aber sein, was du mir sagen kannst?

 

Agenor

Dass wenn der Himmel einen Fürsten zum Throne ausersehn… Dort kommt Elisa ja; Ach laßt uns eiligst fliehn. (er sieht Elisen von der rechten Seite)

 

Amynt

O dieses hoffe nicht.

 

Agenor

Herr, so erbarme dich nur über dich und sie. Du tödst sie durch dein Reden, eh´und bevor du weißt…

 

Amynt

Ich rede nichts davon: ich schwöre dir es zu.

 

Agenor

Nein, nein: du musst sie fliehn. Komm. Trage nur dießmahl mit der Verwegenheit von meiner Treu Geduld. (er nimmt ihn bei der Hand, und gehet mit ihm geschwind auf die linke Seite zu)

 

Achter Auftritt

Tamiris von der linken, Elisa von der rechten Seite, und die Vorigen.

 

Tamiris

Wo geht Agenor hin?

 

Agenor

Ihr Sterne!

 

Elisa

Hör Amynt.

 

Agenor

Prinzessin!

 

Amynt

Ach mein Schatz!

 

Tamiris

Ist es erlaubt, dass man so lange auf dich warten muss?

 

Elisa

So lange soll geseufzet werden eh man dich Einmahl sehen kann? (zum Amynt)

 

Tamiris

Hast du an mich gedacht? (zum Agenor)

 

Elisa

Dachst du indessen denn an mich (zum Amynt)

 

Tamiris

Erfahr ich endlich denn was noch mein Schicksal sei? (zum Agenor)

 

Elisa

Find ich den Schäfer nicht in meinem Könige? (zum Amynt)

 

Tamiris

Du seufzest aber ja! (zum Agenor)

 

Elisa

Du antwortst aber nicht! (zum Amynt)

 

Tamiris

So rede wenigstens (zum Agenor)

 

Agenor

Ich sollte… ach es ist nicht möglich! 

 

Elisa

So rede doch Einmahl (zum Amynt)

Amynt

Ich wollte… auch es geht nicht an.

 

Tamiris

Wie!

 

Elisa 

Was geht aber vor!

 

Tamiris, Elisa

So redet doch einmal.

 

Agenor

Ach es wird noch genug von uns geredet sein. Gebt einen Augenblick, dass wir allein in Ruh uns nur erhohlen können.

 

Tamiris

Elisa hörst du wohl?

 

Elisa

Wie! Ihr verjaget uns! Was sagst du denn, Amynt?

 

Amynt

Dass ich die Todes Angst empfinde.

 

Tamiris

Ich sehe alles ein.

 

Elisa

Wie die Gedanken durch die Kleider bei dir so gar verändert sind!

 

Tamiris

Du ungeständiger Agenor!

 

Elisa

O du undankbarer Amynt

 

(Quartett)

Ach du bist ja nicht mehr der meine

 

Tamiris

Ach deine Liebe endigt sich!

 

Amynta

O rede doch nicht nach dem Scheine.

 

Agenor

Ein falscher Schein betrüget dich.

 

Elisa 

Wo sind mien Schäfer aufgehalten?

 

 

Tamiris

Ist mein getreuer nicht mehr hier?

 

Agenor, Amynt

Das Blut in Adern will erkalten.

 

Alle viere

Ach was wird endlich noch aus mir!

 

 
Ende der Andern Handlung
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