Eine Biographie

Martin Opitz

Bunzlau 1597- Danzig1639

Martin Opitz (1628 nobilitiert mit Namensmehrung zu Opitz von Boberfeld; * 23. Dezember 1597 in Bunzlau, Herzogtum Schweidnitz-Jauer; † 20. August 1639 in Danzig) war der Begründer der Schlesischen Dichterschule, deutscher Dichter und ein bedeutender Theoretiker des Barock und des Späthumanismus. Er galt seinen Anhängern als Vater sowie Wiederhersteller der deutschen Dichtung. (Bild 1)

Bunzlau ist eine Stadt am Fluss Bober in Niederschlesien. Ab 1945 gehört die Region zu Polen. Die Geburtstadt von Martin Opitz, Bunzlau, heisst heute Bolesławiec und die Stadt wo er im Alter von nur 42 Jahren in Folge der Pest gestorben ist, damals Danzig, heute Gdańsk. Um 1600 gehörten Bunzlau und Schlesien der Böhmischen Krone und zum Haus der Habsburger (Landkarte oben). Bis 1635 gehörte auch Zittau und Görlitz (die Region Oberlausitz) dazu, danach kam es zum Kurfürstentum Sachsen. Bunzlau blieb unter den Habsburgern bis zu den schlesischen Kriegen im 18Jh.  (Bild 2)

Schlesien zwischen 1550 und 1650

Nachdem 1517 Luther in Wittenberg seine Thesen veröffentlichte, begann in diesem Teil Europas ein Umbruch, der nicht nur die Religion beeinflusste, sondern auch neue Geisteshaltungen förderte, die humanistischer und identitätsstiftender Natur waren. Die protestantische Prediger haben diese Religion auch nach Schlesien gebracht, und viele Herrscher konvertierten. Das brachte sie oft in Konflikt zu den Habsburger, die katholisch waren. 

Die ganze Region war Schauplatz des 30jährigen Krieges (1618-1648), eines Konfliktes um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich und in Europa, der als Religionskrieg begann und als Territorialkrieg endete. 

Die Zeit zwischen 1560 und 1650 war geprägt vom religiösen Wandel, der Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Kultur auch in Schlesien hatte. Diese unruhige Stimmung und die Katastrophen (Brände, Krieg und Pest) hat viele Geister der Region zu Philosophie, Mystik und Dichtung inspiriert.  Viele Schriftsteller, Musiker, Prediger, Künstler und Philosophen haben Werke geschaffen, um den Menschen  Ideale wie Selbstbestimmung, Freiheit, Frieden, aber auch Mässigung der Emotionen und Tugendhaftigkeit näher zu bringen. Die Späthumanisten weigerten sich im Konfessionskrieg, Partei für eine der Seiten zu ergreifen, denn sie waren überzeugt davon, dass nur über die Erziehung im Geiste dieser Ideale etwas Gutes  entstehen kann. 

Viele Friedensgesänge wurden durch böhmische und schlesische Musiker und Dichter geschrieben. Neben Opitz wirkten in Schlesien  der ebenfalls aus Bunzlau stammende Andreas Scultetus, Jakob Böhme und Valentin Trotzender aus Görlitz, Angelus Silesius u.a. 

1597-1618: Von Bunzlau in die weite Welt

Am 23. Dezember 1597 wurde Martin Opitz in Bunzlau geboren. Seine Eltern, der Metzger Sebastian Opitz und dessen erste Ehefrau Martha Rothmann, ermöglichten ihm eine gediegene humanistische Schulbildung, ein vollständiges Studium hingegen hat er nie abgeschlossen. Ab 1605 besuchte er die Lateinschule im heimischen Bunzlau und setzte 1614 seine schulische Ausbildung am Maria-Magdalenen-Gymnasium zu Breslau fort.​

Im Alter von 20 Jahren schrieb Martin Opitz sich als Schüler am akademischen Gymnasium zu Beuthenein. Er verbrachte im Jahr darauf einige Monate in Görlitz, im Jahr 1618 dann einige Zeit im Haus der Familie von Tobias Scultetus in Frankfurt an der Oder, wo er sich als Lehrer betätigte. 

1618-1621: Heidelberg, Niederlade, Jütland

Etwas später, am 17. Juni 1619, führten ihn seine Wege an die Universität von Heidelberg. Dort studierte er Philosophie, Jura, Schöne Wissenschaften und Altertumskunde.

Als Student in Heidelberg machte Opitz unter anderem die Bekanntschaft von Georg Michael LingelsheimJan GruterCaspar von BarthJulius Wilhelm Zincgref und Balthasar Venator, mit dem er den Heidelberger Dichterkreis gründete. Der kurpfälzische Geheimrat Lingelsheim stellte Opitz als Hauslehrer für seine Söhne an. Als ihn der (30-jährige) Krieg in Heidelberg einholte, ging Opitz 1620 als Hauslehrer in die Niederlande. An der Universität Leiden schloss er Freundschaft mit Daniel Heinsius, dessen "Lobgesang Jesu Christi" er bereits in Heidelberg übersetzt hatte. Ein Jahr später ging Opitz nach Jütland (Dänemark), wo 1621 sein erst 13 Jahre später veröffentlichtes Werk "Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Kriegs "entstand. 

1622-1623 Siebenbürgen

Auf Einladung des Fürsten Gábor Bethlenverließ er Jütland schon bald wieder, um nach Weißenburg in Siebenbürgen zu gehen und dort erneut als Lehrender tätig zu werden. Opitz lehrte bis zum Jahr 1623 Philosophie und schöne Wissenschaften am Akademischen Gymnasium von Weißenburg. Während seines Aufenthalts in Siebenbürgen entstanden die Gedichte Zlatna und ein unvollendetes Werk über die Altertümer Dakiens (Dacia antiqua). Von Heimweh getrieben, kehrte er 1623 nach Schlesien zurück. 

1623 -1625: Zurück nach Schlesien

Dort etabliert er sich 1624 am Hof zu Breslau im Dienst des Herzogs Georg Rudolf von Liegnitz, der damals in Breslau das Amt des Oberlandeshauptmanns von Schlesien bekleidete..

1624 veröffentlichte Opitz sein Hauptwerk, das "Buch von der Deutschen Poeterey". Hierin beschreibt er Regeln und Grundsätze einer neu zu begründenden hochdeutschen Dichtkunst, die sich nicht an den überlieferten antiken Versmaßen ausrichten, sondern vielmehr eine eigene, der deutschen Sprache gemäße metrische Form finden solle. Das Ursprungswerk umfasst die Acht Bücher Deutscher Poematum. 1625 erweiterte Opitz sein Werk um die drei Bände der weltlichen und geistlichen Poemata.

1625-1628: Poeta laureatus

Die Echolyrik fand durch sein Hauptwerk ebenfalls ihren Weg in die Literatur deutscher Dichter. Martin Opitz verfasste mit seinem Gedicht "Echo oder Wiederschall" eines der am häufigsten reproduzierten Echogedichte seiner Zeit und des Barock. 

Im Jahr 1625 reiste er mit Kacpar Kirchner nach Wien. Im selben Jahr verfasste Opitz ein Gedicht anlässlich des Todes von Erzherzog Karl ("Epicedium auf Erzherzog Karl von Österreich"), worauf ihn Kaiser Ferdinand II. am 14. September 1628 in den Adelsstand erhob. Ab diesem Datum wurde aus dem jungen Dichter Martin Opitz der Poeta Laureatus Martin Opitz von Boberfeld. Opitz selbst machte jedoch Zeit seines Lebens keinen Gebrauch von dieser Auszeichnung. Trotz Adelstitel musste Opitz weiter um ganzheitliche Anerkennung als Dichter kämpfen.

1625-1627: Fruchtbringende Gesellschaft

Er versuchte durch Vermittlung seines Freundes August Buchner in der in Köthen ansässigen "Fruchtbringenden Gesellschaft" Mitglied zu werden, was jedoch mit sehr großer Zurückhaltung in Betracht gezogen wurde. Insbesondere Tobias Hübner, ein Bekenner zur Versform der Alexandriner, warf ihm Steine in den Weg. 

1626 bis 1632 war er Geheimsekretär des gegenreformatorischen Burggrafen Karl Hannibal von Dohna, mit dem er 1627 nach Warschau reiste. 

Das war auch ein Hinderungsgrund für die ablehnende Gesinnung in Köthen. Graf Hannibal war gefürchtet und bekannt für seine kompromisslose Verfolgung von Protestanten.

Opitz musste noch drei Jahre warten, bis er endlich in die fruchtbringende Gesellschaft Köthens aufgenommen wurde. Erst 1629 nahm Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen ihn in die angesehene literarische Gesellschaft auf. Besonders Diederich von dem Werder und Friedrich von Schilling hatten sich vehement für Opitz eingesetzt. Bei der Aufnahme verlieh ihm der Fürst den Gesellschaftsnamen "der Gekrönte" und das Motto "mit Diesem". Als Emblem wurde ihm ein Lorbeerbaum mit breiten Blättern (Laurus nobilis L.) zugedacht. 

1627-1633: in den Wirren des Krieges

Seit 1627 war Opitz mit dem Breslauer Maler Bartholomäus Strobel befreundet, dem er das Gedicht „Ueber des berühmbten Mahlers Herrn Bartholomei Strobels Kunstbuch“ widmete.  Seine diplomatische Karriere verlor Marin Opitz auch trotz seiner literarischen Geschäftigkeit nicht aus den Augen.  Im Jahr 1630 reiste Opitz in Dohnas Auftrag nach Paris. Dort lernte er Hugo Grotius kennen, dessen „Über die Wahrheit der christlichen Religion“ er in deutsche Verse übertrug.

 

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges musste Hannibal von Dohnas, der mit grausamer Härte durch kaiserliche Dragoner die Protestanten zum Katholizismus zwingen wollte,  und auch Schlesien mit hohem Steuerdruck belastete, schliesslich vor den schwedischen Truppen 1632 fliehen und stirbt in Prag am 22. Februar 1633.

1633-1635: in Polen

Daraufhin wechselte Opitz im Folgejahr seinen Gönner und trat in die Dienste der schlesischen, protestantischen Piastenherzöge von Liegnitz und Brieg (1633 bis 1635), dem Herzog Johann Christian von Brieg, der nach dem Frieden von Prag(1635) zwischen dem Kaiser und Sachsen, zusammen mit seinem Bruder Georg Rudolf nach Thorn (Toruń) geflohen waren.

Dorthin folgte ihnen auch Opitz, der sich in Danzig niederließ.

1636-1639: Agent und Historiograph beim polnischen König

In Danzig unterhielt er rege Kontakte zu Bartholomäus Nigrinus, der damals Pastor an der Pfarrkirche St. Peter und Paul war, sowie zu Andreas Gryphius und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, die dort das Akademische Gymnasium besuchten. Bartholomäus Strobel porträtierte 1636/37 Martin Opitz in Danzig. Er war dort als schwedischer Agent aktiv. 1636 trat er in den Dienst von König Władysław IV. Wasa von Polen, der ihn zum Sekretär und polnischen Hofhistoriographen ernannte ​

In seiner Rolle als Hofhistoriograf beschäftigte sich Opitz mit altdeutscher Poesie, begann das Studium der sarmatischen Altertümer und veröffentlichte 1639 sein Werk Annolied, dem er einen bekannt gewordenen lateinischen Kommentar mitgab. Diese Handschrift gilt heute als verloren.

1636-1639: Letzte Jahre in Danzig

Neben seiner literarischen Arbeit in Polen nahm Martin Opitz auch seine diplomatischen Aufgaben weiter wahr. So versorgte er kontinuierlich den polnischen König mit Nachrichten und politischen Analysen. Gleichzeitig zahlten ihm die Schweden ein Gehalt für Berichte über Polen.

Opitz ließ in Breslau bei David Müller und in Danzig bei Andreas Huenefeld drucken und widmete in Danzig seine Geistigen Poemata der Gräfin Sibylle Margarethe Dönhoff. Sie war die Tochter des Herzogs Johann Christian von Liegnitz und Brieg, wichtiges Förderers des Dichters,der wie schon erwähnt ebenfalls in Danzig tätig war, wo er schließlich verstarb. Der Mann der Gräfin Sybille, der Reichsgraf Gerhard Dönhoff, war auch polnischer Kastellan von Danzig, ebenfalls Diplomat im Dienste des Königs von Polen und Förderer von Opitz.

Martin Opitz verstarb am 20. August 1639 in Danzig an den Folgen einer Pesterkrankung. Kurz vor seinem Tod veranlasste er, seine gesamte politische Korrespondenz zu vernichten. Die Grabstätte des bedeutenden Dichters befindet bis heute in der Marienkirche zu Danzig.

Werke

„Teutsche Pöemata“ und „Aristarchus, Wieder die Verachtung Teutscher Sprach", Straszburg 1624. 

Acht Bücher "Deutscher Poematum durch Ihn selber heraus gegeben / auch also vermehret und übersehen / das die vorigen darmitte nicht zuuergleichen sindt"

Breslau, 1625.

"De Poätis Germanicis Hujus seculi paecipuis Disserrtatio Compendiaria", 1695. 

"Weltliche Poemata. Der Ander Theil". Frankurft 1644.

Verfasser der ersten deutschen Opernlibretti „Dafne“ (1627) und „Judith“ (1635), Musik zu „Dafne“ von Heinrich Schütz (nicht erhalten).

Vertonte Dichtung

Viele Gedichte von Martin Opitz wurden vertont.

Heinrich Schütz vertonte 12 Gedichte in Madrigalen. Andreas Hammerschmidt die Übersetzung des Hohenliedes und 3 Arien, Johann Erasmus Kindermann (1616 - 1655) ein Nürnberger Komponist vertonte im "Opitzianischer Orpheus" mehrere Gedichte.

Die Bedeutung

Martin Opitz, von seinen Zeitgenossen als "Fürst und Phönix der Poeten" gefeiert, erlangte Rang in der Literaturgeschichte vornehmlich durch seine poetologische Schrift "Buch von der Deutschen Poeterey". Schon in seinem Jugendwerk "Aristarchus sive de contemptu linguae Teutonicae" (Von der Verachtung der deutschen Sprache, 1617) hatte er den Wunsch formuliert, die deutsche Sprache auch als Kunstsprache zu etablieren, die es dem Französischen und Italienischen gleichtun würde und aus dem Schatten des Lateinischen heraustreten könnte. 1624 versucht er mit seiner Poetik die deutsche Dichtung durch eine Anlehnung an die Literatur der Klassik - sprich: der Antike - endgültig aufzuwerten. Die Wurzeln seiner Überlegungen lassen sich bei Aristoteles, Horaz und Scaliger finden. Von den Dichtern verlangt er das Studium der antiken und westeuropäischen Poesie, nicht nur um die Qualität der dichterischen Erzeugnisse zu erhöhen, sondern auch, um den Dichter in seiner universellen Kompetenz den Fürsten als souveränen Partner zu empfehlen. Damit hat Opitz auch die Verankerung der Poesie im höfischen Milieu gefördert. 
Opitz fordert eine sich an der natürlichen Wortbetonung der jeweiligen Sprache orientierende Metrik. Für das Deutsche bedeute das ein von den antiken Versmaßen radikal unterschiedenes, streng alternierendes Metrum, dessen reinste Verkörperung der Alexandriner sei. Wie einflußreich Opitz' Werk war, zeigt sich daran, daß ein so berühmter zeitgenössischer Dichter wie Georg Rudolf Weckherlin sich nach dessen Erscheinen zur Überarbeitung seiner Gedichte gezwungen sah. Opitz selbst realisierte seine poetologischen Forderungen in seinem 1621 entstandenen, jedoch erst 1633 anonym publizierten "Trost Gedichte jn Widerwertigkeit dess Krieges": das Lehrgedicht besteht aus 2308 durchgehend jambischen Alexandrinern, die sich abwechselnd in betonten und unbetonten Paaren reimen. 
Besonderes Interesse brachte Opitz dem Drama entgegen. Zwar versuchte er sich nicht an eigenen dramatischen Dichtungen, aber er übersetzte die Trojanerinnen Senecas (1625) und die Antigone von Sophokles (1626) ins Deutsche.

Bibliographie / Links:​

1.  „Wir vergehen wie Rauch von starken Winden

Deutsche Gedichte des 17.Jahrhunderts

Rütten & Loening, Berlin 1985

2. Lebenslauf auf Wortwuchs.net 

3. Lebenslauf auf Schott-music.com

4. Polnischer Biografie online

5. Buch: Klaus Garber-

Der Reformator und Aufklärer Martin Opitz (1597-1639) 

Ein Humanist im Zeitalter der Krisis

6. www.gesichter-der-reformation.eu

Andere Dichter aus Schlesien: Johann Scheffler (Angelus Silesius, 1624-1677), Friedrich von Logau (1605-1655), Andreas Scultuetus (1622-1647), Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616-1679), Daniel Casper von Lohenstein (1635-1683), Heinrich Mühlpfort (1639-1681), Hans Aßmann von Abschatz (1646-1699), Benjamin Neukirch (1665-1629), Andreas Gryphius (1616-1664), Christoph Köler (1602-1658), Apelles von Löwenstern (1594-1648), Czepko von Reigersfeld (1604-1650), Tscherning Andreas (1611-1659), Christoph Kaldenbach (1613-1698), Rosenthal Dorothea Eleonora (1600-), Heinrich von Ziegler und Kliphausen, Kuhlmann Quirinus, Paucker Nikolaus...