Pflastersteine für den Weg zum Frieden

Der Verein Ars Augusta e.V. wird am 8. März fünf Jahre alt. In diesen fünf Jahren wurde viel für die Förderung von Kultur und Völkerverständigung getan. Aber das war erst der Anfang.

Am 5. Februar 2017 luden wir viele Musikfreunde in die Augustastraße 6 zu einem Salonkonzert ein. Salonkonzerte hatten schon vor unserer Ankunft in der Augustastraße Tradition, erzählte uns unsere Nachbarin Renate Wiegand, die uns für dieses Konzert auch zehn Stühle geliehen hat. Eine weitere Nachbarin, ebenfalls aus der Augustastraße, unterstützte die Initiative mit weiteren 10 Stühlen. Wir sammelten alle Sitzgelegenheiten, die wir hatten, und gönnten uns ein Konzert für etwa 30-40 Gäste. Damals war der amerikanische Tenor Stanley Jackson bei uns zu Gast: Gemeinsam mit der weißrussischen Pianistin vom G-H Theater, Olga Dribas, bereiteten sie für uns ein Programm mit Arien und Spirituals vor. Das zahlreiche Publikum war begeistert.


Beim nächsten Salonkonzert am 5. März trafen die ersten Musiker des Lausitzer Barockensembles aufeinander: Susan Joseph aus Görlitz, Szczepan Dembinski aus Bad Fliensberg und Adam Rorat, damals Studenten der Breslauer Musikhochschule. Es war das erste Konzert der von uns hier gegründeten Polnisch-Deutschen Formation für Alte Musik "Das Lausitzer Barockensemble". Und so fing alles an.


Acht der Freunde dieser Konzerte, meist Nachbarn aus der Augustastraße, trafen sich am 8. März bei uns und unterzeichneten als Gründungsmitglieder die Satzung des Vereins. Satzungszweck des gemeinnützigen Vereins: Kulturförderung und Völkerverständigung. Am 14. März wurde der Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Dresden unter der Nummer VR9835 eingetragen.


Der Name „Ars Augusta“ sollte einerseits an den Standort „Augustastraße“ erinnern. Die Straße direkt neben dem Wilhelmsplatz ist Kaiserin Augusta gewidmet. Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach (30. September 1811 in Weimar, 1890 in Berlin) war Königin von Preußen und deutsche Kaiserin, und für ihre pazifistische Haltung in der preußischen Politik, ihre Förderung der Künste und Wissenschaften und schließlich auch für ihre humanistische Tätigkeit, zum Beispiel als Förderin des Roten Kreuzes, bekannt. Kein besserer Name konnte also für den Görlitzer Verein passend sein. Hinzu kommt die klangliche Ähnlichkeit des „Ars Augusta“ (was auf Lateinisch „erhabene Kunst“ bedeutet) mit der „Pax Augusta“, also der friedlichen Zeit des römischen Kaisers, der besonders berühmt war für die Förderung der Künste seiner Zeit.

"Frieden und Kunst" genau das sind die Ziele des neuen gemeinnützigen Vereins, das war auch die Vision der in Breslau geborenen Opernsängerin Eleni Ioannidou, die nun mit ihrem Mann, dem Münchner Autor und Musiker, Heinz Müller, nach Görlitz gekommen ist. Zu Görlitz hatte Eleni Ioannidou schon seit Kindestagen einen Bezug: sie war oft zu Gast bei ihren griechischen Großeltern in Zgorzelec. Als in den 1970er Jahren die Grenze nach Deutschland geöffnet wurde, kam ihre polnische Mutter hier oft mit dem kleinen Kind spazieren: Die Mutter sprach später von der freundlichen Begeisterung der Görlitzer für das schwarzhaarige Kind. Die Görlitzer sind ihr gegenüber in den vergangenen fünf Jahren genauso freundlich geblieben und haben einige ihrer Visionen Wirklichkeit werden lassen.


In dem kleinen Raum mit dem alten August-Förster-Flügel in der Augustastraße 6 fanden über 30 Salonkonzerte mit Künstlern aus Polen und Deutschland, aber auch aus Tschechien und anderen Ländern statt. Die internationalen Projekte breiteten sich dann in der Region um Görlitz aus. Aufgetreten sind nicht nur das polnisch-deutsche Lausitzer Barockensemble, sondern auch viele andere Künstler an Orten, die Sachsen mit Schlesien verbinden. Nur einige davon sind das Kurtheater in Bad Salzbrunn und das Schloss Fürstenstein (Wirkungsorte Bolko von Hochbergs), das Städtische Museum „Gerhart Hauptmann Haus“ in Agnetendort und das Museum „Carl und Gerhart Hauptmann Haus“ in Schreiberhau, vor allem aber das großartige Denkmal "Perle von Zeliszów"

mit dem der Verein sein Schicksal verbunden hat. Ars Augusta engagiert sich weiterhin für die Renovierung und Weiternutzung der ehemaligen evangelischen Kirche bei Bolesławiec. Mit Unterstützung der Deutsch-Polnischen Stiftung Denkmalschutz, der Erika-Simon-Stiftung und zuletzt der Stiftung Preußisch-Deutsches Kulturerbe sowie mit Hilfe der Stiftung Evangelisches Schlesien konnten der Turm und die Emporen des imposanten Denkmals renoviert werden. Im Februar 2022 bewarb sich der Verein mit diesem Projekt beim Wettbewerb „Europa Nostra European Heritage Award“ und wurde in die Auswahl aufgenommen.


Auf der deutschen Seite der Neiße veranstalteten wir viele Konzerte im Herrenhaus Gosswitz in Reichenbach O/L, einem Ort, der zu unserem festen Partner wurde, im Barockschloss Hainewalde, im Zittauer Bürgersaal und vor allem im Barockschloss Rammenau, wo wir die erste Unterstützerin für unsere Aktivitäten in Frau Eschler fanden.


Der größte Erfolg war aber sicherlich die Wiederentdeckung der Oper „Giove in Argo“ von Antonio Lotti im Jahr 2019 als Beitrag zu den Feierlichkeiten zum 300-jährigen Jubiläum der Planetenfeste in Dresden. Tatsächlich hat die Zusammenarbeit mit den Freunden des Palais im Großen Garten in Dresden und Dr. Zimmermann vom Verein „Musikschätze aus Dresden“ wichtige Früchte getragen und die Anerkennung des Vereins als Produzent barocker Opern. Die Wiederholung der Oper am Gerhart Hauptmann Theater im Jahr 2020 öffnete dann die Tür für eine Zusammenarbeit mit dem hiesigen Theater.

Eigentlich schade, daß es nur eine Aufführung gab!
23. September 2019, Wolfram Quellmalz "Neue Musikalische Blätter"


Eine zweite, noch wichtigere Entdeckung eines Schatzes aus dem kulturellen Erbe der Region erfolgte 2021, als Eleni Ioannidou die einzige existierende Oper des Hofkomponisten der Breslauer Oper aus der Habsburgerzeit, Antonio Bioni, im Archiv des Vereins der Musikfreunde in Wien entdeckte. Dann kam noch eine internationale Zusammenarbeit zustande, diesmal mit der "Oper am Schloss" in Szczecin und dem ersten Film: der Oper „Issipile“!


Angesichts dessen, was der Verein bisher unter der Leitung von Eleni Ioannidou geleistet hat, sticht das Profil der Institution heraus. Es geht um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Institutionen, es geht um den Einsatz für den Erhalt des europäischen Kulturerbes und schließlich (die schwierigste dieser Aufgaben) um die Arbeit mit der lokalen Bevölkerung, um das regionale Bewusstsein – also das Bewusstsein für den Reichtum dieser Erde – zu stärken und sogar über Grenzen hinweg. Wo die Politik versagt, will die Kultur die Verbindungen herstellen. Wir haben einiges erreicht, aber leider gibt es in dieser Richtung noch viel zu tun.


Wie wollen wir das erreichen?

Wir befinden uns mitten in einer sehr gefährlichen Zeit für Europa. Es sind Zeiten der sozialen Spaltung, in denen nicht nur soziale Unruhen, sondern auch wieder regelrechte Kriege in Europa aufflammen.

Wir fühlen uns verpflichtet, wieder zwischen politischen oder geopolitischen Parteien zu vermitteln und auf Gemeinsamkeiten statt auf Trennendes hinzuweisen.

Der „Internationale Lied-Wettbewerb Bolko von Hochberg“ möchte Botschafter dieser Idee sein. Eleni Ioannidou bietet diesen Wettbewerb als Alternative zum ehemaligen "Schlesischen Musikfest" Bolko von Hochbergs an. Während des Projekts „Hommage an Bolko von Hochberg“ im Jahr 2018, bei dem eine Gruppe von Studierenden der Hochschule Görlitz einen Vortrag über die Chancen einer Wiederbelebung des Schlesischen Musikfestes vorbereitete, wurde verständlich dass im Jahr 2022 ein „Schlesisches Musikfest“ wenig Sinn macht. Schlesien als Region ist heute nicht mehr das was sie vor dem Krieg war. Vom großen Vorteil ist es jedoch, dass die Stadthalle direkt an der Grenze zu einem anderen europäischen Land liegt. Die Europastadt Görlitz-Zgrozelec, heute eine deutsch-polnische Stadt, kann durchaus zum Sitz einer internationalen Musik-Initiative werden. Ein Wettbewerb, der nicht nur wie damals Sänger aus Schlesien zusammenführt, sondern Sänger aus aller Welt. Im Juni 2022 findet also der Wettbewerb in Görlitz-Zgorzelec statt und wir dürfen über 160 Sänger und Pianisten aus 40 Ländern hier begrüssen. Die erste Runde (12.-14. Juni) findet im Dom Kultury statt, Halbfinale und Finale im Gerhart Hauptmann Theater. Alle Runden des Wettbewerbes sind öffentlich! Das Thema dieser Ausgabe des Wettbewerbs ist "Hellas". Der Grund für diese Auswahl war der Wunsch, uns alle über die Wurzeln der europäischen Kultur nachdenken zu lassen. Die Musik und die Poesie haben ihre Wurzeln in der griechischen Tradition. Tatsächlich war die Auswahl dieses Themas so passend, dass sich 250 Künstler sofort für den Wettbewerb anmeldeten. Aber die erste Auswahl der internationalen Jury brachte diese 160 Künstler, die im Juni nach Görlitz reisen werden.


Aber nicht nur das preußische Kulturerbe der Region inspiriert uns für zukünftige Projekte. Vor allem das sächsische Kulturerbe der Region steht bei der Vereinsvorsitzenden hoch im Kurs. Die Arbeit am Projekt „Giove in Argo“ eröffnete ihr die Welt der beiden sächsischen Könige von Polen. Nicht nur August der Starke war ein sehr bedeutender Kulturförderer, der Dresden zu einer Kulturmetropole in Europa machte. Laut Eleni Ioannidou ist sein Sohn August III. ein viel unterschätzter und oft missverstandener Regent. In Polen gilt er als dekadenter und schwacher Herrscher, in Deutschland ist er wegen der Niederlage im Krieg mit Preußen und wegen seines katholischen Glaubens ebenfalls nicht beliebt.

Und doch war August III. ein Herrscher, der wie kein anderer der Kultur und der Völkerverständigung diente.

Er initiierte die Renovierung des Wawel und anderer wichtiger Denkmäler in Polen, er baute Paläste, brachte Polen und Sachsen zusammen, seine Kinder lernten Polnisch, er förderte die Bildung vieler Polen in Sachsen, er brachte bedeutende italienische Künstler nach Warschau und Dresden, er förderte Musik und Theater. Er war fromm und interessierte sich nicht für Intrigen und Kriege.


Ihm zu Ehren möchte Eleni Ioannidou bald eine Zusammenarbeit mit dem Königlichen Museum in Łazienki in Warschau initiieren. Wir möchten alle zwei Jahre eine polnisch-deutsche Opernproduktion veranstalten, die im sächsischen Hubertusburg, im Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz, im kleinen aber feinen Theater in Bad Warmbrunn bei Jelenia Góra und schließlich im Königlichen Theater des Łazienki-Museum in Warschau zu erleben sein wird. Diese Oper möchte das reiche Erbe Augusts III. präsentieren, das in Hülle und Fülle in der SLU-Bibliothek in Dresden zu finden ist. Zahlreiche Opern von Johann Adolph Hasse wurden in Hubertusburg und Warschau uraufgeführt. Unser Verein möchte dieses gemeinsame Erbe wiederentdecken. Die erste Oper dieser Zusammenarbeit wird bereits 2023 erscheinen (im Bild unten das Kurtheater von Bad Warmbrunn).


Wir freuen uns über die Unterstützung des sächsischen und polnischen Publikums für unsere Projekte. Wir sind auf Spenden und Unterstützung angewiesen. Zu den Förderern unserer Projekte zählen: die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Schlesischen Museum zu Görlitz, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Firma EUROIMMUN und das Kaufhaus Görlitz, die Mitteldeutsche Barockmusik, die Erika-Simon-Stiftung, das Polnische Kulturministerium und vor allem die Europäische Union zur Förderung im Projekt INTERREG PL-SN.


Die Sponsoren des kommenden Wettbewerbs: Gemeinde Ottobrunn bei München, Landratsamt Görlitz, Stiftung Sparkasse Oberlausitz Niederschlesien, das Hotel Best Western Görlitz Via Regia (Jauernicker Str.15) und einige private Spender.


Wir sind aber weiterhin auf Spenden angewiesen.

Für jede Spende an unseren Verein verschenken wir eine oder mehrere Broschüren und CD (nach Wahl) unserer vergangenen Projekte und sogar mit persönlicher Widmung.


Das sind:

- Bolko von Hochberg: Hommage (nur noch 4 Broschüren+CD verfügbar)

- Gerhart Hauptmann: Festspiel (polnsich-deutsch +CD) das pazifistische Theaterstück von Gerhart Hauptmann für die Jahrhunderthalle in Breslau 1913 geschrieben.

- Anna Teichmüller. Broschüre und CD mit Liedern der Komponistin der Schreiberhauer Künstlerkolonie.

- Giove in Argo. Oper von Antonio Lotti. CD und Programm.

- Broschüre und CD mit Musik von Max Marschalk.

- SONG OF HELLAS. CD mit inspirierten von der griechischen Antike Lieder. Projekt 2021 gefördert durch die Kommission Greece2021-200 Jahren nach der Revolution.



Wir laden unsere Freunde ein, unsere nächsten Ziele zu unterstützen und uns begleiten. Wir nennen unsere Sponsoren und stellen auch eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt aus.

Bleiben Sie bei uns und lassen Sie uns gemeinsam in unserer schönen Stadt für ein besseres und friedlicheres Europa arbeiten.


Zur Seite mit unsere Produkte:




91 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen