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Kulturarbeit ist Samen für die Zukunft setzen

Vor einiger Zeit erhielten wir einen wunderschönen Brief. Es war ein Anerkennungs- und Dankesschreiben zugleich – und eine Einladung zur künftigen Zusammenarbeit im Rahmen eines europäischen Kooperationsprojekts.

Die Worte, die uns Radoslava Vorgić schrieb, haben mich sehr gefreut, denn Anerkennung für harte Kulturarbeit ist immer etwas Besonderes. Gleichzeitig haben sie mir etwas Wichtiges vor Augen geführt: Wie entscheidend es ist, die eigene Arbeit – besonders im kulturellen Bereich – als Samen zu betrachten, die man in die Erde pflanzt und die vielleicht erst später Früchte tragen.

Man produziert ein Projekt, organisiert ein Konzert, spielt Musik, veröffentlicht ein Buch, entdeckt eine vergessene Partitur oder bringt Unbekanntes ans Licht – und denkt dabei oft nur an den unmittelbaren Moment. Zweifel schleichen sich ein: Fehlende Förderung, wenige Zuschauer, manchmal sogar Anfeindungen. Man fragt sich, ob man das Richtige tut, ob es überhaupt nützlich ist oder ob es nur die verrückte Geste eines utopischen Visionärs bleibt.


Diese Zweifel sind verständlich aber wenig sinnvoll. Es gibt nichts Verwerfliches daran, Schönheit zu schaffen, Musik, die Seelen heilt, Menschen zusammenbringt und Licht ins Dunkel bringen, Denkmal und Geschichten aus der Vergangenheit vor aller Augen bringen..

Jede kulturelle Arbeit – ob klein oder groß – ist ein Samen, der in die Erde gelegt wird.

Gute Samen des Friedens und der Schönheit, die ihre Früchte vielleicht nicht heute, sondern erst morgen oder übermorgen tragen.

Die Geschichte mit Radoslava ist ein wunderbares Beispiel dafür. Zusammen mit Nevena Sovtić gehörte sie 2024 zu den ersten Teilnehmerinnen unseres Wettbewerbs „Orpheus: Spirit of Renaissance“. Schon bei der ersten Kontaktaufnahme spürten wir ihre tiefe Begeisterung für die Alte Musik. Sie reiste mit Nevena nach Görlitz, erreichte das Semifinale mit einer sehr hohen Punktzahl und beeindruckte uns durch ihre Leidenschaft, Professionalität und außergewöhnliche Ausstrahlung. "Ausstrahlung" ist das richtige Wort, weil es Künstler gibt die Licht ausstrahlen. Lichtgestalten.



Weil Radoslava nicht nur eine starke Bühnenpräsenz besitzt, sondern auch über fundierte Erfahrung in Alter Musik verfügt, lud ich sie ein, am „Hammerschmidt“-Projekt teilzunehmen. Die Zusammenarbeit wurde zu einer großen Bereicherung. Sie erwies sich nicht nur als absolute Spezialistin, sondern auch als bescheidene und inspirierende Künstlerin – eine Eigenschaft, die die größten Künstler oft auszeichnet.

Aus diesem einen Samen (dem Orpheus-Wettbewerb) wuchs eine erste Frucht: das von der EU und dem Programm Culture Moves Europe geförderte Hammerschmidt-Projekt. Und es blieb nicht dabei. Rada lernte im Projekt den Lautenisten Raphael kennen und lud ihn nach Serbien ein. Gemeinsam realisierten sie dort das erfolgreiche Projekt „Between Iberia and the Balkans“.

Jetzt, wo wir sehen, dass unsere Visionen für Europa und die Wiederbelebung des Kulturerbes in die gleiche Richtung gehen, möchten wir den kleinen Baum weiter wachsen lassen – über Serbien und Sachsen hinaus vielleicht nach Slowenien, Bulgarien, Rumänien, Polen und darüber hinaus. Denn unser Europa dürstet nach der Wiederentdeckung seines reichen Erbes.


Zwei Fotos und der Brief von Rada erzählen diese Geschichte weiter. Auf dem ersten Foto sehen wir Rada beim Konzert mit Madrigalen von Hammerschmidt in Olomouc (Tschechien) im Mai 2025 – genau vor einem Jahr. Auf dem zweiten Foto die prächtige Rotbuche, die wir vom Fenster unseres Hauses in der Augustastraße sehen. Wer weiß, wie klein dieser Baum war, als ihn vor über 100 Jahren ein guter Geist in diesem Hof pflanzte. Heute ist sie vielleicht der schönste Baum in ganz Görlitz und inspiriert uns seit zehn Jahren mit ihrer Kraft und Schönheit.


Brief von Rada vom 2.4.2026: das Original auf Englisch ist auf der EN-Version der Seite zu lesen.

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Liebe Eleni,

ich freue mich schon sehr auf den September und darauf, wieder Zeit in Görlitz zu verbringen. Alles klingt absolut wunderbar, und ich bin wirklich begeistert davon.

Ich wollte Dir schon länger schreiben, um Dir für die wunderschöne Zeit zu danken, die wir letztes Jahr gemeinsam verbracht haben. Es war für mich eine wirklich besondere Erfahrung. Tatsächlich ist daraus etwas sehr Sinnvolles entstanden – unsere erneuerte Zusammenarbeit mit Rafael. Über unsere Organisation VEMA – Vojvodinian Early Music Association – haben wir eine Förderung von Culture Moves Europe für Rafaels Residenz in Novi Sad beantragt und erhalten. In vielerlei Hinsicht kam der Samen für dieses gesamte Projekt aus unserem Treffen mit Dir, und dafür möchte ich Dir von Herzen danken.

Gemeinsam mit Meila, Rafael und mir haben wir ein fantastisches Projekt realisiert mit dem Titel Between Iberia and the Balkans, das Musik aus der Balkanregion und Spanien zusammenbringt. Es war eine sehr lebendige und bedeutungsvolle künstlerische Begegnung. Ich sende Dir unseren Presskit als Anhang mit.

Falls Du das Programm in eine Eurer zukünftigen Konzertreihen aufnehmen möchtest, würden wir uns sehr über eine Zusammenarbeit freuen. Das Programm kann entweder als Trio (Stimme, Blockflöte, Laute) präsentiert werden oder – aus finanziellen Gründen – als Duo mit Rafael und mir, besonders als natürliche Fortsetzung der Culture Moves Europe-Residenz. Wir könnten auch ein noch intimeres Programm nur für Sopran und Vihuela gestalten, das eine sehr feine Kammermusik-Form mit direkter Verbindung zum Publikum bietet.

Ich muss auch sagen, dass Rafael ein herausragender Musiker ist und die Zusammenarbeit mit ihm wirklich inspirierend war.

Bezüglich das EU-Programm möchte ich mich aufrichtig entschuldigen, dass ich nicht früher auf Deine Nachricht geantwortet habe. Zu diesem Zeitpunkt war ich vollkommen in die Produktion von Giulio Cesare vertieft, und leider ist Deine Mail in der Intensität der Arbeit untergegangen.

Für die Zukunft bereiten wir gerade einen Antrag für ein Programm der EU vor. Wir sind dabei, die Unterlagen zusammenzustellen, und Meila und ich werden uns bald mit genaueren Informationen bei Dir melden, da wir uns sehr über eine mögliche Zusammenarbeit in diesem Rahmen freuen würden.

Herzliche Grüße

Rada

P.S. Du hast in den letzten Monaten eine wirklich wichtige Rolle gespielt und mir Inspiration, neue Ideen und Perspektiven für meine vergangenen, aktuellen und zukünftigen Projekte gegeben. Wenn ich zurückblicke – vom Wettbewerb über Hammerschmidt bis hin zu dieser Zusammenarbeit mit Rafael, der Oper im September und jetzt zu neuen Schreibprojekten –, sehe ich ganz deutlich, wie viel aus unserer Begegnung gewachsen ist. Dafür, Eleni, bin ich Dir zutiefst dankbar.


Soprano

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© 2026 Ars Augusta e.V. . Erstellt von Eleni Triada Müller

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