Gedenken an Bolko von Hochberg: 100 Jahre seines Vermächtnisses
- Eleni Ioannidou
- 4. Feb.
- 7 Min. Lesezeit
... und wie alles im Jahr 2016 began!
Vor genau zehn Jahren zogen mein Mann Heinz Müller und ich nach Görlitz. Die Stadt und ihre Lage im Herzen einer wunderschönen, binationalen Region faszinierten mich sofort. Ich sah die Schönheit des Stadtbildes, die sanften, romantischen Landschaften der Oberlausitz und Schlesiens mit ihren Schlössern, Bergen und Kurorten voller faszinierender Geschichte und erkannte das enorme Potenzial dieser Region. Der Ort schien geschlummert zu haben, vergessen und von allen verkannt, und ich träumte davon, die schlafende Stadt zu einer Renaissance zu erwecken. Ein architektonisches Bauwerk diente mir als Symbol für meine Vision: die Stadthalle, direkt an der Grenze zwischen Polen und Deutschland gelegen. Ein monumentales und wunderschönes Symbol einer vergangenen Ära, das wie die Stadt selbst schlummerte und auf sein Wiedererwachen wartete. Es zog mich in seinen Bann. Ich begann, über die Geschichte des Gebäudes zu lesen, was mich mit einem Mann bekannt machte, der aus alten Zeiten etwas mir zu erzählen began.

Sein Name war Bolko von Hochberg. Etwa zur gleichen Zeit begannen sich Zufälle und Erlebnisse zu häufen. Im Sommer 2016 erhielt ich eine Einladung von Schloss Fürstenstein. Mateusz Mykytyszyn, Vorsitzender der Stiftung „Prinzessin Daisy von Pless“, organisierte einen Gesangswettbewerb mit dem Titel „Sing wie Prinzessin Daisy“ und lud mich als Jurorin ein, obwohl wir uns kaum kannten. Die berühmte Engländerin Daisy, die letzte Herrin von Schloss Fürstenstein, war ebenfalls Sängerin, und Mateusz hatte die Lieder entdeckt, die sie um 1920 gesungen hatte, Lieder von Schubert,. Massenet oder Saint-Saens und Gounod. Er hatte die geniale Idee, junge Sängerinnen einzuladen, diese Lieder in einem Wettbewerb vorzutragen. So nahm alles seinen Lauf!

2017 entdeckte ich das Werk des Komponisten Bolko, eine umfangreiche Sammlung seiner Lieder, Quartette, Trios und eine Sinfonie. Später gab ich die Noten an Musiker weiter, die danach suchten, darunter Herr Tomaszewski, der sie kürzlich auf CD aufgenommen hat. Ich stellte die Lieder zu einer Sammlung zusammen und begann, nach Fördermitteln für ihre Uraufführung zu suchen. Es war ein glücklicher Zufall, dass Heinz Erfahrung mit Tonaufnahmen hatte, da er in den 1980er-Jahren ein Tonstudio in München betrieben und über allerlei hochwertige Mikrofone und Geräte aus dieser Zeit verfügt hatte. Schließlich fanden wir die nötigen Mittel bei Professor Stöckers Firma EUROIMMUN, der – welch kurioser Zufall – denselben Geburtstag wie Bolko hat: Bolko wurde am 23. Januar 1843 auf Schloss Fürstenstein geboren. Und genau in diesem Schloss, dem Stammsitz der Familie von Hochberg, organisierten wir im "2018, European Sharing Heritage Year" den ersten Liederabend mit Bolkos Liedern, der heute kostenlos angehört und heruntergeladen werden kann.

Wir wiederholten das Konzert im Neobarocken Theater in Bad Salzbrunn (Szczawno Zdroj), wo Bolko 1926 starb, und natürlich in Görlitz, wo er zum Ehrenbürger ernannt war, im „Vino e Cultura“. Dort verbanden wir das Konzert mit einer Veranstaltung zur möglichen Wiederbelebung der Schlesischen Musikfeste, in Kooperation mit der Hochschule Zittau/Görlitz und Dr. Sławomir Tryc. Frau Waltraut Simon (Erika-Simon-Stiftung) frisch in Görlitz angekommen, Herr Rauhut und Anne-Marie Franke waren anwesend. Letztere war damals Kulturbeauftragte für Schlesien und förderte die Broschüre mit einer wissenschaftlichen Biografie Bolkos und der beiliegenden CD.
Doch das war erst der Anfang!

Wie die Idee für den Lied Wettbewerb entstand und im Jahr 2021 umgesetzt wurde.
Ich verstand, dass die Schlesischen Musikfeste damals ein Treffen von Gesangsvereinen aus ganz Schlesien waren. Sie waren bereits 1830 gegründet worden, zu einer Zeit, als Lied- und Chorgesang in ganz Preußen allgegenwärtig waren. Doch heute ist alles ganz anders. Es gibt weniger Chöre, und Singen zu Hause ist nicht mehr so beliebt. Dabei erlebt gerade heute international die Liedkunst eine Renaissance. In Berlin oder Heidelberg, in Wien oder den Niederlanden wurden einige sehr gute Liedwettbewerbe veranstaltet, und viele junge Sängerinnen und Sänger zeigten Interesse an eine Teilnahme.
Heute leben wir aber in Europa, und das Internet verbindet die ganze Welt über alle Grenzen hinweg. Ich war mir sicher, dass Bolko meiner Idee zustimmen würde, einen internationalen Gesangswettbewerb in der Stadthalle zu gründen, anstelle der damaligen Schlesischen Musikfeste.
Also organisierte ich die erste Ausgabe ganz allein. Besonders hat mich der Paula Salomon-Lindberg-Wettbewerb "Das Lied" inspiriert, das die Universität der Künste in Berlin alle drei Jahre veranstalet. Ich studierte ihn gründlich. Es war aber das Gedenkjahr der griechischen Revolution, weil vor 200 Jahren überall in Europa wurde über Hellas gesungen. Ich recherchierte Tag und Nacht das kulturelle Erbe dieser Liedliteratur und stellte ein sehr gutes Repertoire zusammen. Ich suchte eine Jury, erhielt Absagen von bekannten Persönlichkeiten, aber auch viele Zusagen, und erstellte eine Website. Alles sollte auf Polnisch und Deutsch sein: die Jury, die Teilnehmer und die Veranstaltungsorte.
Die Pandemie war ein Glücksfall: Viele Sängerinnen und Sänger waren arbeitslos, und als sie von dem Wettbewerb erfuhren, freuten sie sich riesig über diese wunderbare Gelegenheit: Lieder zu lernen und diese wunderschöne Stadt im Frühling zu besuchen. Der erste Wettbewerb 2022 war ein voller Erfolg. Nun, vier Jahre später, steht die dritte Auflage des Lied Wettbewerbes Bolko von Hochberg kurz bevor. Nach meinem Plan wird er in Görlitz und Jelenia Góra stattfinden, denn Bolko hätte sich sicherlich für eine kulturelle und wirtschaftliche Verbindung zwischen Polen und Deutschland eingesetzt. Genau dort, in Jelenia Góra hat er vor 150 Jahren seine Schlesischen Musikfeste zum ersten Mal organisiert. Ich sehe diese Verbindung und Zusammenarbeit auch als Schlüssel zur Renaissance der Region. Gemeinsam werden wir Großes erreichen!

In diesem Jahr wird das Projekt durch EU-Fördermittel finanziert. Das Budget ist dank der Unterstützung meines wunderbaren Mannes Heinz Müller vorfinanziert, und die 20-prozentige Beteiligung kommt erneut mit Hilfe von Herrn Stöcker, dem jetzigen Besitzer des Görlitzer Kaufhauses. Die erste Runde des Wettbewerbs findet dann am Samstag, den 30. Mai, in diesem zauberhaft schönen historischen Gebäude statt.
Ein weiterer glücklicher Zufall: Die Firma August Förster baut gerade einen neuen Konzertflügel. Wenn alles nach Plan läuft, können die Musiker dieses brandneue Instrument sogar spielen und ein traditionsreiches Unternehmen aus der Region kennenlernen. Das Kaufhaus hat unsere Unterstützung bei der Organisation zugesagt (vielen Dank!), und die Evangelische Innenstadtgemeinde hat uns die Frauenkirche direkt neben dem Kaufhaus als Probenraum zur Verfügung gestellt. Jeder Görlitzer Einwohner und Tourist wird die beiden Denkmäler besuchen, die vom Gesang junger Musiker aus aller Welt erfüllt sein werden. Der Eintritt ist frei!
Reinhard Seeliger wird Juror sein! Zusammen mit Alexander Schmalcz (Dresden), Ewa und Grzegorz Biegas (Katowice), Romy Donath (Bautzen), Bartosz Zurakowski (Opeln) und... René Pape, der berühmte Dresdner Bass, wird am 30. und 31. Mai ebenfalls in der Jury sitzen, bevor er nach Berlin reist, um „Don Carlos“ zu singen. Diesen glücklichen Umschwung verdanke ich der Dresdner Regisseurin Amal Reich ("Fastnachts-Lust im September im Apollo-Theater), die den Star persönlich kennt.

Neben der Euroregion, die uns über den INTERREG Polen-Sachsen Kleinprojektfonds unterstützt, stechen die Namen der Stifter der drei Preise besonders hervor:
Die Erika Simon Stiftung und Frau Waltraut Simon stiften den ersten Preis (6.000 €), der den Namen „Hedwig-Preis“ tragen wird.
Der zweite Preis (4.000 €) wird von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien gestiftet, und
Der dritte Preis (2.000 €) wird von Frau Anna-Matilda Fischer aus Braunschweig, einer Verwandten der Komponistin Anna Teichmüller, gestiftet. Als Zeichen unserer Dankbarkeit benennen wir den dritten Preis in „Anna-Teichmüller-Preis“ um.
Weitere Spenden erhielten wir von Frau Fischer, Herrn Klaus-Dieter Mende, Herrn Wolfgang Möller und Gabriele Jokiel.
Wir haben auch viel Unterstützung von polnischer Seite erhalten, beispielsweise von Frau Alexandra vom Melonanów-Club in Jelenia Góra, die uns mit dem Direktor der Philharmonie Jelenia Góra in Kontakt brachte. Herr Wroniszewski hat uns großzügigerweise beide Säle der Philharmonie zur Verfügung gestellt. Die Partnerschaft mit der Niederschlesischen Philharmonie ist ideal, denn genau dort veranstaltete Bolko von Hochberg vor 150 Jahren das erste Schlesische Musikfest!
Die Adam-Hiller-Musikschule in Görlitz und die Stanislaw-Moniuszko-Musikschule in Jelenia Góra sind ebenfalls Partner und stellen den Musikern, die aus aller Welt nach Görlitz und Jelenia Góra reisen, Probenräume zur Verfügung.

Wir gründen einen deutsch-polnischen Freundschaftskreis und laden Sie herzlich ein, sich uns anzuschließen.
Doch all das wäre nicht vollständig ohne Sie, die Einwohner von Görlitz und Jelenia Góra, die Sie dieses Festival und diese beiden Jubiläen mit uns feiern werden. Zu diesem Zweck gründen wir den Freundschaftskreis „Bolko von Hochberg“ – alle Freunde der Kultur, der deutsch-polnischen Verständigung und unserer schönen Region sind herzlich eingeladen, beizutreten. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig: Bringen Sie einfach Ihre Begeisterung mit, sich regelmäßig bei den Veranstaltungen zu treffen und gemeinsam bei schöner Musik über die Zukunft der Region und unsere Freundschaft zu diskutieren.
Die ersten Treffen finden dieses Jahr an drei Terminen statt:
Am 21. Mai um 17:00 Uhr (bis 20:00 Uhr): Eröffnungsveranstaltung und Konzert der Preisträgerinnen der Ausgabe 2024, Sarah Gilford und Ewa Danilewska. Wir unterstützen Sie gerne bei der Organisation Ihrer Reise und gegebenenfalls einer Übernachtung in Jelenia Góra.
Am 30. Mai findet im Kaufhaus Görlitz die Begrüßung des Publikums, der Jury und der Musiker statt, gefolgt vom Start des Wettbewerbs. Die Erste Runde dauert drei Tage (Samstag 30.5., Sonntag 31.5. und Montag 1.6. von 11 Uhr bis 19 Uhr mit einer Mittagspause 14-15 und Kaffee-Pause um 17-17:30 Uhr) Am ersten Tag wird der Freundeskreis eine gemeinsame Abendbrot-Runde mit Musikern und Juroren (ab 19 Uhr) erleben dürfen.
Am 3 Juni findet in Jelenia Góra die Halbfinale statt (10:30-19:30 Uhr). Anwesenheit ist nicht notwendig.
Am 4. Juni trifft sich der Freundeskreis schließlich in Jelenia Góra zum Finale und zur Preisverleihung. Freunde von Bolko sind aufgerufen, für ihr Lieblingsduo abzustimmen. Der Gewinner des Publikumspreises wird 2027 zu einem Konzert eingeladen.
Ich stehe Ihnen persönlich gerne für Fragen zur Mitgliedschaft zur Verfügung. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail (arsaugusta@gmail.com) oder rufen Sie mich an (+49 3581 8778460). Wir sind gerade bei der Reservierung von Zimmern in Jelenia Góra (Preis 50-60€ Pro Zimmer), also wir freuen uns wenn Sie uns aus Görlitz mittelen ob Sie übernachten möchten. In Görlitz haben wir eine Partnerschaft für günstigere Preise im Park-Hotel.
Vielen Dank und einen schönen Februar!
Eleni Müller
Görlitz, Februar 2026




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