Meister werden
- Eleni Ioannidou
- 10. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Jan.
Einführungswort für die Meisterklasse am Ende Januar.
Liebe Musiker-Schauspieler, vielen Dank für Eure Teilnahme an meiner ersten offiziellen Meisterklasse. Ich habe zwar früher meine Freunde in Italien oder München "gecoacht", einfach so. um gemeinsam Spass an Musik und Theater zu haben. Diese Arbeit war wirklich sehr spannend und manche empfahlen mir das öfters zu tun. Im letzten Projekt des Vereins, habe ich mit einigen Sängern an den Hammerschmidt-Madrigalen gearbeitet: das hatte ebenfalls gute Ergebnisse gegeben. Aber eine offizielle Meisterklasse zu leiten, das wäre jetzt das allererste Mal. Danke, dass ihr dabei seid! Es verspricht sich eine spannende Zeit, denn ihr alle unglaublich viel Talent und tolle Energie habt.
Braucht die Oper eine Rückbesinnung?
Warum aber finde ich diese Meisterklasse wichtig in diesem Jahr?
Mir ist aufgefallen, dass einiges sich in der Opernwelt seit meiner Zeit in Italien geändert hat, und leider nicht viel ins Positive. Damals (das ist 20 bis 25 Jahre her), als ich an der Accademia della Scala studierte, begegnete ich Künstler wie Leyla Gencer oder Riccardo Muti. Während ich die Proben folgte, merkte ich dass diese zwei Menschen sehr tief ihre Kunst dienten. Es war nicht nur die Musik, die sie pflegten, sondern ihr gesamtes Leben und Persönlichkeit kommuniziere "etwas Besonderes". Sie waren Menschen die großes Wissen hatten, allgemeines WIssen. Leyla ermutigte uns, als Studenten, auch an unsere Persönlichkeit zu arbeiten. Sie meinte, wenn wir in einer Stadt für eine Rolle engagiert sind, wir sollten viel Zeit auch an den Besuch von Museen, Denkmälern und Kulturstätten widmen, damit wir auch als Menschen allgemein uns bereichern. Diese Künstler dachten damals in dieser Weise. Später, merkte ich dass sehr wenige Musiker meiner Generation das taten. Sie kamen, sie spielten ihre Musik, probten und aufführten aber jenseits dieser Arbeit interessierte sie nichts mehr. Je mehr wir aber "reicher" als Menschen werden, Lebenserfahrungen und Wissen sammeln, desto besser sind wir auch als Künstler. Ich glaube jeder Künstler muss an sich als Mensch arbeiten, um Meister zu werden.
Aber nicht nur deswegen hat sich meiner Meinung nach einiges zum Schlechteren in der Opernbranche geändert. Es hat insgesamt etwas mit dem Opernsystem zu tun, dass das Musiktheater viel von seiner ursprünglichen Berufung und "Magie" verloren hat. Dieses System hat aufgehört Talente zu fördern, Stars hervorzubringen und Musik und Theater auf authentische Weise direkt zum Publikum zu bringen.
Es ist zu einem Business geworden, wo es mehr um Geld, Politik oder Ideologie geht, als um die Kunst und den Dienst an der Menschheit.
Als ich im November eine Aufführung von „Nabucco“ im Gerhard Hauptmann Theater besuchte, fiel mir einmal mehr auf, wie wenig die Sänger vom Dirigent oder Regisseur geführt werden, hinsichtlich ihrer wichtigsten Aufgabe: Schauspieler zu sein. In einer Oper wie „Nabucco“ muss es Momente geben, in denen man weint oder zumindest tiefe Emotionen empfindet. Doch ich empfand nichts und dieses Gefühl "nichts zu empfinden" passiert mir immer öfters in der Oper.
Wenn Sänger die Rolle, die sie auf der Bühne verkörpern, nicht tief empfinden, sind die zwei Stunden einer Opernaufführung bloß angenehme Unterhaltung. Aber Komponisten wie Giuseppe Verdi und Mozart schrieben ihre Meisterwerke nicht nur, um das Publikum zu unterhalten und die Schönheit der Stimme zu zeigen. Sie wollten der Menschheit wichtige Botschaften vermitteln. Deshalb verwendete Verdi bedeutende Libretti von Shakespeare oder Schiller für seine Opern.
Das Aspekt "Theater" ist sehr wichtig in der Oper.
Und das gesamte Team hinter einer Opernproduktion (Regisseur, Dirigent, Schauspieler, Tänzer, Techniker, Chor) muss sich dessen bewusst sein, dass Dramaturgie, Musik und vor allem die Bühnenpräsenz des Schauspielers dem Hauptziel des Theaters dienen müssen: das Publikum zu beGEISTern und schliesslich zu einen besseren Menschen zu machen.
Dies war das Ziel des Theaters im antiken Griechenland: Das Drama auf der Bühne war ein Spiegel der Gesellschaft. Wenn eine Schauspielerin die Antigone von Sofokles verkörperte, beobachtete das Publikum sie, hörte ihrer Stimme zu, identifizierte sich mit ihr und dachte: „Sie hat recht, ich möchte auch so sein wie sie“ oder wenn ein Zuschauer eine "negative Figur" wie zB Kreon sah, dachte er „Kreon ist wie meine heutige Politiker; ich sollte sie nicht mehr folgen.“
Wenn wir als Schauspieler, mit unserer Stimme und Präsenz die Rolle tief und authentisch verkörpern, erreichen wir das Publikum ehrlich zu bewegen und die Welt zu verbessern. Unsere Augabe und Verantwortung also als Schauspieler ist enorm - es geht nicht nur darum, schön eine Arie zu singen:
Im Griechischen „Schauspieler“ heisst „ethopoios“ – der Schöpfer von Ethos, Moral. Wir belehren das Publikum. Daher sind wir eigentlich dessen "Meister".
Der Weg um Meister zu werden, ist für jeden Menschen individuell. Jeder von uns lässt sich von dem was man "Heiliger Geist" nennt leiten, der uns zu den richtigen Erfahrungen, Erlebnissen oder Begegnungen mit anderen Meister führt und bildet. Jeder hat seinen eigenen Weg, aber das Ziel "Meister zu werden" - ist für uns alle gleich.
Weg zur Meisterschaft
Meiner Meinung nach, das sind die drei Wege die uns zu Meister machen:
1. Geistliche Arbeit
Jeden Tag lesen, lernen und unsere Kunst und Wissen vertiefen, auch philosophisch und spirituell: Welche Nachricht gilt zu kommunizieren? Wer ist die Person, die ich verkörpere? Welche waren die historische Zeiten als er lebte, warum der Komponist befasste sich mit ihm. Ist es ein Archetyp? was sind Archetypen? Kann ich ihre Charaktereigenschaften in mir selbst finden und ihnen Leben einhauchen, das mit meiner eigener Erfahrung verbunden ist? Auch das Bewusstsein meiner eigenen Zeit ist wichtig. Kann ich über diese Rolle eine Nachricht für die Menschen meiner Zeit kommunizieren?
2. Technische Arbeit
Verbessere deine technischen Fähigkeiten, damit deine Bühnenperformance so mühelos wie möglich wirkt.
3. Arbeit an sich selbst
Erkenntnis der eigenenn Persönlichkeit und Arbeit am eigenem Charakter. Der Künstler sollte, anders als die meisten Menschen, von Wahrheit und Mitgefühl für die Menschheit tief bewegt sein. Deshalb waren die besten Schauspieler und Sänger schon immer beeindruckende, tief spirituelle Persönlichkeiten, bescheiden und menschlich.
Für mich ist es besser, ein mittelmäßiges Instrument zu verfügen, aber eine große Seele.
Willkommen also zu meiner ersten Meisterklasse!
Lass uns gemeinsam daran arbeiten, was uns zu besseren Schauspielern, Musikern und Künstlern macht. Wir haben einen wunderbaren Leitfaden auf diesem Weg: die Musik selbst, aber auch den Text, denn wir Opernsänger sehen die Musik nicht getrennt vom Text. Die Komponisten wurden durch das Lesen des Textes zur Musik inspiriert. Daher sind diese beiden, Musik und Text, untrennbar miteinander verbunden.
Die Meisterklasse ist in drei Teile gegliedert:
1. Wir arbeiten an uns selbst, erforschen unsere einzigartigen Qualitäten (Stärken und Schwächen) und konzentrieren uns darauf, wie wir diese Qualitäten so gut und bewusst präsentieren, dass wir authentisch wirken.
2. Wir erweitern unser Wissen. Nicht nur unsere eigene Kunst, sondern auch das Studium der Biografien der Menschen die mit unserem Stück verbunden sind, Geschichte und Philosophie. Wir lassen uns auch von anderen Meistern inspirieren und studieren ihre Kunst.
3. Praktik: Die Masterclass 25-27.1.2026. Wir vertiefen dann die Interpretation unserer jeweiligen Werke, indem wir beispielsweise herausfinden, wie wir die Musikalität und Dramaturgie unseres Stücks am besten in der Praxis zum Ausdruck bringen können.
Erste Aufgabe
Beginnen wir also mit dem ersten Schritt. Ich bitte Sie, die folgenden Aufgaben zu bearbeiten:
1. Meditieren Sie über sich selbst
Wer sind Sie? Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Was sind Ihre Stärken und Schwächen? Denken Sie daran: Sie sind ein perfekter Mensch, genau so, wie Sie sind – mit all Ihren Stärken und Schwächen, leuchtenden und dunken Seiten. Beide sind für ihr Profil als Schauspieler sehr wichtig. Sich selbst zu finden ist ein langer Weg, aber fangen wir einfach an. Ich könnte zum Beispiel über mich sagen: „Ich bin willensstark, aber manchmal zu aggressiv. Ich bin sehr empfindsam aber manchmal kann ich meine Emotionen nicht kontrollieren, Manchmal bin ich zu romantisch und nicht sehr realistisch.“ usw
2. Welche Rollen Sie schon immer singen wollten
Nachdem Sie sich ein kurzes Bild von sich selbst gemacht haben, denken Sie an ihre Traumrollen, unabhängig ob sie an Ihre Stimme passt oder nicht. Gibt es Rollen, die Sie schon immer fasziniert haben?
Manchmal finden einen die Rollen von selbst, wie schicksalhaft.
Zum Beispiel, wenn man in der Bibliothek ist, fällt einem eine Partitur in die Hände, und man denkt: Was für eine großartige Oper, auch wenn sie auf den ersten Blick schwierig erscheint.
Bitte nennt drei bis fünf Rollen, die Ihnen besonders am Herzen liegen oder die ihr sehr interessieren. Vergleicht diese Rollen nun mit den Empfehlungen eurer Lehrer und Coaches.
Nach diesem ersten Schritt der Selbstreflexion werden wir uns beim nächsten Mal den beiden Arien der Meisterklasse widmen, mit jedem Sänger separat.




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